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Energiebedarf modernen Lebens

31. Oktober 2025, akt. 4. November 2025


Vorbemerkung

Aufgrund der ungesicherten Datenlage der hier genannten „Fakten“ soll diese Zusammenstellung lediglich als Anregung für eigene Überlegungen und Recherchen dienen. Anlass, sich überhaupt etwas eingehender mit diesem Thema zu beschäftigen, war die Aussage, dass die rasche Entwicklung Künstlicher Intelligenz aufgrund sich erschöpfender Ressourcen (wie z.B. Energie) langsamer würde. Das wurde in der Gegenbetrachtung geäußert.

Begriffserklärungen

Ein Terrawatt (TW) sind 1.000.000.000.000 Watt (W). Damit eine ungefähre Vorstellung ermöglicht wird (schwierig, bei diesen Größenordnungen), sei angeführt, dass ein – eher sparsamer – Wasserkocher eine Leistungsaufnahme von ca. 1000 Watt hat, eine Terawattstunde also dem einstündigem ununterbrochenen Betrieb einer Milliarde Wasserkocher entspricht. Die Weltbevölkerung betrug 2024 etwa 5,3 Milliarden (15 â€¦ 64 Jahre alt). Es müsste also jeder fünfte Erwachsene zur gleichen Zeit (!) für eine Stunde einen Wasserkocher betreiben.

Angemerkt muss aber auch unbedingt, dass die im Internet zu findenden Angaben sehr unterschiedlich (je nach Quelle) sind und sich teilweise widersprechen. Gesicherte Aussagen sind also ziemlich schwierig (sofern keine wissenschaftliche Arbeit aus der Recherche gemacht wird, wofür mir die Zeit fehlt).

Energieverbrauch

Beginnen wir mal mit einigen Grunddaten, z.B. dem Energieverbrauch großer Städte:

Stadt
Einwohner
Verbrauch
Verbr. pro Kopf
Berlin
3,7 Mio.
12,3 TWh
3,3 TWh
Moskau
11,5 Mio
~47 TWh
4,1 TWh
New York
8,5 Mio.
55,7 TWh
6,6 TWh
Neu-Dehli
34,7 Mio.
34,1 TWh
1,0 TWh

Die Daten stammen z.T. aus verschiedenen Jahren oder sind Durchschnittswerte, sind also nicht absolut zu vergleichen, lassen aber gewiss eine tendezielle Abschätzung zu.

Weitere Werte: Deutschland verbrauchte im Jahr 2023 insgesamt etwa 467 TWh. Der weltweite Primärenergieverbrauch im Jahr 2024 erreichte einen neuen Höchststand von ungefähr 164.444 TWh, der der OECD-Staaten lag bei ungefähr 65.278 TWh.
Auf die Welt bezogen ist das also das knapp 350-fache des deutschen Verbrauchs, oder anders herum: Deutschland ist zu knapp 0,3 % am weltweiten Energieverbrauch beteiligt. Auf die OECD bezogen lauten diese Zahlen 140-fach bzw. 0,7 %.
Meines Erachtens kann es nicht schaden, sich diese Zahlen bei Überlegungen zu den und Diskussionen über die Möglichkeiten deutscher Bemühungen zur „Klimarettung“ vor Augen zu halten! Darum soll es hier aber gar nicht gehen.

Wofür brauchen wir (viel) Strom?

Weltweite Verteilung des Stromverbrauchs nach Sektoren (ca. 2023–2024, Quelle: Google Zusammenfassung):

  • Industrie ca. 37–40 %
  • Haushalte (private Nutzung) ca. 25–27 %
  • Dienstleistungssektor / Gewerbe ca. 20–22 %
  • Transport (v. a. elektrische Bahnen, E-Fahrzeuge) ca. 2–3 %
  • Sonstiges (z. B. Landwirtschaft, Verluste im Netz) ca. 10 %

Noch einige präzisierende Informationen:

  • Innerhalb des Industriesektors sind große Verbraucher z. B. Metallverarbeitung, Chemie, Zement und zunehmend auch Rechenzentren und digitale Technologien.
  • Der digitale Energieverbrauch (Rechenzentren, Datenübertragung, Endgeräte) liegt aktuell bei etwa 2–3 % des weltweiten Stromverbrauchs, mit weiter steigender Tendenz.
  • China, die USA und die EU sind zusammen für über 60 % des globalen Stromverbrauchs verantwortlich.

Für den steigenden Strombedarf (besonders der KI) werden dann schon mal alte Kernkraftwerke reaktiviert oder neue Mini-Reaktoren gebaut.

Auch wenn der Energiebedarf für digitale Dienste „nur“ 2–3 % des weltweiten Stromverbrauchs beträggt, darf erstaunen, dass das die gleiche Menge ist, die für den Transport anfällt. Und bei „weltweit“ sind auch viele Gegenden dabei, die nur einen geringen Anteil am Bedarf bzw. Verbrauch haben.

Energiefresser Internet

Auf der Webpräsenz MINTZirkel fand ich einen Artikel mit dem Titel Energiefresser Internet, der einige Hintergründe liefert. Leider hat Herr Jörg Schieb sich nicht die Mühe gemacht, für die von ihm genannten Zahlen Quellen zu nennen, so dass die Aussagen mit Vorsicht zu werten sind. Ich zitiere dennoch:

  • Die Hauptenergiefresser im Netz sind Streamingdienste, Videoübertragungen und Online-Gaming.
  • Allein die Rechenzentren von „Amazon Web Services“, einem der größten Cloud-Anbieter weltweit, verbrauchen jährlich rund 10 TWh – mehr als die Stadt Berlin mit ihren 3,7 Millionen Einwohnern.

Einer von uns hat nicht richtig recherchiert: Berlin unter 10 TWh gegenüber 12,3 TWh.

Beim BDEW, dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, kann man auch etwas über den Energiehunger moderner (digitaler) Technologien erfahren:

Streaming, Kryptowährung, KI
  • Um KI-Modelle wie ChatGPT zu trainieren, wird – aufgrund der riesigen Datenmengen, die verarbeitet wwerden müssen – bisher etwa so viel Strom benötigt wie für eine Großstadt.
  • Eine Anfrage bei ChatGPT benötigt drei- bis zehnmal so viel Strom wie eine normale Google-Suche.
  • Im Jahr 2023 wurde weltweit für das sogenannte Bitcoin-Mining zweieinhalb Mal so viel Strom verbraucht wie in der gesamten Schweiz.
Quelle: BDEW-Magazin / IEA

Aus dem gleichen Aufsatz: Für den Betrieb von KI wird bis 2030 ein etwa doppelt so hoher Energiebedarf wie 2024 erwartet: etwas unter 1.000 TWh (Terawatt-Stunden).

Quelle: Internationale Energieagentur

Eine Analyse der geografischen Verteilung des Energieverbrauchs moderner Datentechnologien verdeutlicht, dass die USA und China zusammen für fast drei Viertel des globalen Gesamtverbrauchs verantwotlich sind.

Datenablage in der Cloud

Meinem Empfinden nach steigt die Tendenz, Daten in der Cloud zu speichern, denn dadurch stehen sie immer und von überall aus zur Verfügung. Leider gilt auch hier oft: „Aus den Augen aus den Sinn“ — es kostet ja nix. Vodafone veröffentlichte im April 2022 die Aussage, dass jährlich weltweit 5,8 Millionen Tonnen CO2 durch Datenmüll anfallen (Quelle). Das entspricht einem Energieverbrauch von etwa 13 GWh (die Umrechnung ist nicht zu 100% eindeutig) — immerhin!

Schlussbemerkung

Natürlich kann jeder ein klein wenig dazu beitragen, den rasch wachsenden Energiebedarf „digitaler Segnungen“ zu senken, einen Effekt würde das erst haben, wenn viele Menschen so handeln:

  • Zettel, Taschenrechner oder Google statt ChatGPT bei mathematischen Fragen,
  • Suchmaschinen statt ChatGPT bei Recherchen nutzen (ja: das ist mühsamer, vielleicht aber auch verlässlicher)
  • Radio statt Spotify,
  • Fernsehen oder Kino statt Youtube oder Netflix,
  • weniger Bildchen in sozialen Medien teilen (Datenverkehr senken),
  • Datenhygiene: digitale Daten (z.B. in Clouds) gelegentlich durchsehen und entsorgen, was nicht mehr gebraucht wird — meines Erachtens ganz wichtig!
  • und so weiter …

Ich glaube nicht, dass viele dies tun werden, denn uns wird täglich vorgehalten, dass das moderne Leben einfach zu sein hat und alles jederzeit verfügbar sein muss. Die oben aufgeführten Verhaltensweisen widersprechen dem größtenteils.


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