Gefahr durch Induktionsherde?
17. Dezember 2024
Über Induktionsherde und die angeblich von Ihnen ausgehenden Gefahren für den Menschen findet sich im Internet jede Menge Unsinn. Ganz schlimm ist meines Erachtens ein Aufsatz (was sollen die Bilder belegen?) der pseudowissenschaftlichen Organisation Natural Science:
Doch die Nachteile wiegen schwer: Der Induktionsherd erzeugt ein starkes mittelfrequentes Magnetfeld, welches die Gesundheit des Kochs oder der Köchin schädigt.Keine weitere Begründung, keine Angabe von Messwerten und vor allem: eine absolute Aussage. Gruselig – so werden Ängste vor nicht vorhandenen Gefahren geschürt!
Da mir diese – wissenschaftlich nicht haltbaren – Aussagen nun schon öfter begegnet sind, möchte ich an dieser Stelle einen Faktencheck anbieten.
Von der Schweizerischen Eidgenossenschaft gibt es ein Faktenblatt Induktionsherd, aus dem ich hier nur mal zwei Fakten aufführen will:
- Was wir der Untersuchung der Eidgenossen entnehmen können, ist (dürfte in Deutschland ähnlich sein – nicht geprüft): Grenzwert für mittelfrequentes magnetisches Feld. 6,25 μT (Mikro-Tesla) und
- „Die zulässige Stromdichte ist um Faktor 50 tiefer angesetzt als der Wert, bei dem Nerven- und Muskelreizungen entstehen." (Absatz 3, Grenzwerte)
Bei Wikipedia finden wir über das Erdmagnetfeld:
„Am Äquator hat das Magnetfeld eine „Stärke“ (magnetische Flussdichte) von ca. 30 µT (Mikrotesla). An den Polen ist der Betrag etwa doppelt so groß. In Mitteleuropa sind es etwa 48 µT, nämlich etwa 20 µT in der horizontalen und 44 µT in der vertikalen Richtung.“
Das (natürliche) Erdmagnetfeld ist also im Schnitt bei uns ca. siebeneinhalb
mal so stark wie der zulässige Grenzwert, der ab einer Entfernung von ca. 25 cm
vom Kochfeld (dürfte bei normalen Gebrauch fast immer erfüllt sein!) bei den
geprüften Geräten eingehalten wird und der – siehe oben – um den
Faktor 50 tiefer angesetzt ist als der Wert, bei dem Nerven- bzw. Muskelreizungen
nachweisbar sind!
Und dem Erdmagnetfeld sind wir immer ausgesetzt (ohne dass es uns schadet).
Mit solchem Wissen mag dann jeder für sich entsprechende Aussagen anderer Quellen bewerten. 😉

Bild von Valeria Aksakova bei freepik.com
Und: Damit soll auch gar nicht geleugnet werden, dass bei sehr sensiblen Menschen Effekte auftreten KÖNNEN – aber eben nicht notgedrungen und bei allen Menschen.
Einen relativ unaufgeregten und sachlichen Artikel zum Thema fand ich bei meiner Recherche allerdings auch und empfehle ausdrücklich dessen Lektüre. Besonders beachtenswert finde ich die dort enthaltene Tabelle
Elektromagnetische Feldstärke von Haushaltsgeräten bei einem Abstand von 3 cm zum Gerät:
- Haartrockner (2000 µT)
- Rasierapparat (1500 µT)
- Bohrmaschine (800 µT)
- Mikrowelle (200 µT)
- Waschmaschine (50 µT)
- Bildschirm (50 µT)
- Induktionskochfeld (22 µT)
- Laptop (3 µT)
Für jemanden, der diese Dinge studiert hat und infolgedessen versteht, sind solche Aussagen, wie die anfangs genannten, schwer erträglich …
siehe auch: Elektrosmog • Mobilfunk und „Strahlung“
zur Übersicht der Beiträge
Sie wollen mir etwas zu diesem Thema mitteilen? Dann schreiben Sie bitte eine Nachricht zu diesem Beitrag.
18 weitere Beiträge:
Revisionssichere Archivierung (16. Juni 2025, akt. 14. März 2026) • Balkonkraftwerk (12. Juni 2025, akt. 14. März 2026) • Künstliche Intelligenz (22. Juni 2025, akt. 16. Februar 2026) • Stirbt der gute Manitu? (7. Dezember 2025) • Digitale Vorsorge, digitaler Nachlass (5. November 2025) • Energiebedarf modernen Lebens (31. Oktober 2025, akt. 4. November 2025) • Ist das Internet kostenlos? (4. November 2025) • Zwangsbeglückung (7. Juni 2025, akt. 31. Oktober 2025) • Erlebnisse in der DDR (14. Juni 2025, akt. 30. Oktober 2025) • Mobilfunk und Strahlung – eine Richtigstellung (8. Juni 2025, akt. 29. Oktober 2025) • Angriff auf Wordpress (5. Juni 2025, akt. 3. September 2025) • Energieversorgung Deutschland (1. August 2025) • Datenschutz in Europa (15. Juli 2025) • Zeitungsdigitalisierung (26. Juni 2025) • Kennworte (25. Juni 2025) • Elektromobilität / Lithiumabbau (21. Juni 2025) • Elektrosmog (9. Juni 2025, akt. 10. Juni) • Schwibbogenbau (Dezember 2024)